Wenn plötzlich Jemand fehlt

Über Verlust und Trauer in der Crewfamily!

Es gibt Menschen, die sehen wir häufiger als unsere eigene Familie.

Wir verbringen Tage, Wochen und manchmal Monate miteinander. Wir bauen gemeinsam auf, lösen Probleme, stellen uns Herausforderungen, fahren von Stadt zu Stadt und erleben Situationen, die Menschen außerhalb unserer Welt nur schwer nachvollziehen können.

Wir sehen uns müde, gestresst, genervt und völlig erschöpft – nicht immer nur gut gelaunt. Wir erleben aber auch diese besonderen Momente, wenn plötzlich alles steht, die Tore aufgehen und aus vielen einzelnen Gewerken eine Veranstaltung wird.

Man kennt die Eigenheiten des anderen. Den immer gleichen Spruch am Morgen. Den Blick, der genügt, wenn etwas schiefläuft. Die Geschichten, die schon hundertmal erzählt wurden und trotzdem dazugehören.

Und dann ist dieser Mensch plötzlich nicht mehr da.

Vielleicht durch einen Unfall.
Vielleicht durch einen plötzlichen Tod.
Vielleicht nach einem langen Kampf gegen eine Krankheit.

Die Nachricht erreicht uns während einer laufenden Produktion, zwischen zwei Telefonaten oder auf dem Weg zum nächsten Einsatzort.

Und obwohl die Welt für einen Moment stehen bleibt, läuft alles weiter.

Der Aufbau muss fertig werden.
Der Zeitplan bleibt bestehen.
Die Show findet statt.

Die Position wird neu besetzt.

Der Mensch nicht.

## Eine Crew ist mehr als Arbeit

Wer längere Zeit gemeinsam auf Tour oder Produktion war, weiß, dass eine Crew mehr ist als eine Ansammlung von Arbeitskräften.

Man lebt und arbeitet eng zusammen, oft weit entfernt von den Menschen zu Hause. Man teilt Erfolge, Stress, Schlafmangel, Ärger und manchmal auch sehr persönliche Gespräche.

Nicht jeder Mensch in einer Crew ist ein enger Freund. Und trotzdem gehört er dazu. Seine Anwesenheit wird selbstverständlich – bis sie es plötzlich nicht mehr ist.

Dann fehlt nicht nur eine Arbeitskraft.

Es fehlt eine Stimme im Funk.
Ein Gesicht im Crew-Catering.
Ein Mensch, der einen festen Platz in diesem Gefüge hatte.

Diese Lücke zeigt sich manchmal sofort. Manchmal aber auch erst Wochen später. Wenn ein bestimmter Song läuft, jemand einen vertrauten Satz sagt oder man an einen Ort zurückkehrt, an dem man gemeinsam gearbeitet hat.

Trauer hält sich nicht an Produktionspläne.

## Funktionieren ist nicht Verarbeiten

In unserer Branche sind viele Menschen daran gewöhnt, zu funktionieren.

Probleme werden gelöst. Gefühle werden zur Seite geschoben. Man macht weiter, weil Stillstand häufig keine realistische Möglichkeit ist.

Doch Funktionieren ist nicht dasselbe wie Verarbeiten.

Manche Menschen weinen sofort. Andere werden still. Einige stürzen sich in die Arbeit. Andere reagieren gereizt, unkonzentriert oder ungewöhnlich erschöpft.

Trauer lässt sich nicht daran messen, wie lange man sich gekannt hat oder wie häufig man privat Kontakt hatte.

Manchmal trauern wir auch um das, was wir gemeinsam erlebt haben. Um eine Tour, einen Lebensabschnitt oder das Gefühl, dass diese Gemeinschaft für einen Moment vollständig war.

## Es braucht keine perfekten Worte

Wenn ein Mensch stirbt, entsteht oft Unsicherheit.

Was darf man sagen?
Soll man überhaupt etwas sagen?

Viele Menschen haben Angst, etwas Falsches zu sagen, und sagen deshalb lieber gar nichts.

Dabei braucht es meistens keine großen Sätze.

Ein ehrliches „Es tut mir leid“ reicht.

Oder:

„Ich weiß gerade nicht, was ich sagen soll. Aber ich bin da.“

Auch gemeinsames Schweigen kann tröstlich sein. Eine Hand auf der Schulter, eine Umarmung oder die Frage, ob jemand für einen Moment aus der Situation herausgenommen werden möchte.

Es geht nicht darum, den Schmerz wegzumachen.

Es geht darum, einen Menschen mit seinem Schmerz nicht allein zu lassen.

## Oft gibt es keinen gemeinsamen Abschied

In unserer Welt arbeiten Menschen über Ländergrenzen hinweg. Man ist auf Tour, auf Produktion oder bereits wieder in einer völlig anderen Crew.

Viele erfahren erst später, dass jemand gestorben ist.

Oft gibt es keinen gemeinsamen Abschied. Keinen Ort, an dem alle zusammenkommen. Dadurch bleibt der Verlust manchmal merkwürdig unfertig.

Vielleicht steht der Name noch lange in alten Kontaktlisten. Vielleicht erwartet man unbewusst, den Menschen auf der nächsten Produktion wiederzusehen. Vielleicht fällt erst dort auf, dass seine Stimme, sein Lachen oder seine Art fehlen.

Gerade deshalb kann es helfen, auch später noch über ihn zu sprechen.

„Weißt Du noch, wie er damals …?“

Oder:

„Er hätte jetzt bestimmt genau diesen Spruch gebracht.“

So bleiben Erinnerungen lebendig. Und aus dem Menschen wird nicht nur eine Nachricht in einem Gruppenchat.

## Die Show geht weiter

In unserer Branche heißt es oft: „The show must go on.“

Und meistens stimmt das auch.

Doch weitermachen sollte nicht bedeuten, so zu tun, als wäre nichts geschehen.

Wir können professionell arbeiten und trotzdem traurig sein.
Wir können Verantwortung übernehmen und trotzdem einen Moment brauchen.
Wir können lachen und den Verstorbenen trotzdem vermissen.

Mit der Zeit wird die Lücke vielleicht weniger schmerzhaft. Erinnerungen tun nicht mehr nur weh. Man erzählt wieder Geschichten und muss vielleicht sogar lachen.

Der Mensch bleibt ein Teil der gemeinsamen Geschichte.

Denn am Ende erinnern wir uns nicht daran, wie schnell jemand eine Aufgabe erledigt hat.

Wir erinnern uns an seine Art.
An sein Lachen.
An seine Geschichten.
An die Momente, in denen er da war.

Und wenn einer von uns geht, bleibt eine Lücke.

Nicht im Dienstplan.

Sondern mitten unter uns.

In Gedenken an unsere fehlenden CrewFamily-Mitglieder – Ihr seid unvergessen!