Zu Hause sein heißt noch nicht, angekommen zu sein
Der letzte Truck ist zu, die Crew verabschiedet sich, und endlich geht es nach Hause. Wochenlang hast Du Dich auf diesen Moment gefreut. Ausschlafen, in Ruhe essen, niemand will etwas. Herrlich. Zumindest war das der Plan.
Jetzt sitzt Du auf dem Sofa und weißt irgendwie nichts mit Dir anzufangen. Du bist müde, aber kommst nicht zur Ruhe. Greifst zum Handy, obwohl gerade niemand etwas braucht. Und die Frage, was es zum Abendessen gibt, fühlt sich plötzlich komplizierter an als der komplette Abbau.
Willkommen zu Hause. Der Rest von Dir kommt offenbar etwas später.
Auf Produktion ist vieles vorgegeben: Zeiten, Aufgaben, die nächsten Schritte. Um Dich herum sind Menschen, mit denen Du lange Tage und manchmal ziemlich schräge Nächte teilst. Ihr müsst nicht jedes Mal erklären, warum Ihr müde seid oder worüber Ihr gerade lacht. Ihr wart schließlich dabei.
Zu Hause fällt dieser gemeinsame Takt erst einmal weg. Die Menschen dort haben währenddessen ihren eigenen Alltag gelebt. Du kannst froh sein, wieder da zu sein, und Deine Crew trotzdem vermissen. Auch dann, wenn Du drei Tage vorher noch dachtest, dass Du einige davon frühestens nächstes Jahr wiedersehen möchtest.
Vielleicht hilft Dir für den Anfang etwas Vertrautes: morgens einen Kaffee draußen trinken, eine Runde mit dem Hund gehen oder mit jemandem essen, bei dem Du nichts erzählen musst. Vielleicht möchtest Du auch erst einmal Deine Tasche in die Ecke stellen und schlafen. Die Wäsche wird deshalb nicht die Flucht ergreifen.
Du darfst den Menschen um Dich herum sagen: „Ich freue mich, wieder hier zu sein. Ich brauche nur ein bisschen, bis ich wirklich da bin.“ Das ist hilfreicher, als auf jede Frage gereizt zu reagieren und darauf zu hoffen, dass alle von selbst verstehen, was los ist.
Und wenn Du Deine Crew vermisst, ruf jemanden an. Ihr müsst dafür weder ein Problem lösen noch die nächste Produktion besprechen. Manchmal tut es einfach gut, mit jemandem zu reden, der die vergangenen Wochen kennt.
Du musst Deine freie Zeit nicht genauso effizient abarbeiten wie eine Show. Der nächste Einsatz kommt. Bis dahin darf auch mal etwas liegen bleiben – und Du sitzen.





